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Öffentliche Gedenkveranstaltung Adolf Kalwak

8. August 2026 @ 13:00 Uhr14:00 Uhr

| Kostenlos
Adolf Kalwak-Denkmal im Poisenwald am Marktsteig Rabenau-Obernaundorf

Öffentliche Gedenkveranstaltung am Kałwak-Denkmal im Poisenwald mit Begleitung der Bannewitzer Musikschule

Neben Angehörigen von Ella Berger aus Possendorf dürfen wir auch Angehörige Adolf Kałwaks in der Gemeinde Bannewitz begrüßen. Unter Mithilfe von Dolmetschern wird uns mit ihnen Rudnikis Bürgermeister Mariusz Stanek beehren.

Navigationsadresse zum Kałwak-Denkmal: „Poisentalstraße 62, Rabenau“, 150 Meter östlich Parkplatz, dann 200 Meter entlang des Marktsteiges östlich in den Wald

18 Uhr  Bildvortrag „Denunziert und ermordet“ im Rathauskeller, Schulstraße 6, Bannewitz

Die Veranstaltung im Poisenwald wird vom Mitteldeutschen Rundfunk begleitet.

Zum Thema bereitet der SCHILDBACH Verlag das Buchprojekt „IN DEN HÄNDEN DER GESTAPO“ vor, das im Bildvortrag vorgestellt wird. Das Buch wird voraussichtlich ab November 2026 erhältlich sein, Informationen folgen noch.

An der Teilnahme beider Veranstaltungen ist jede(r) herzlich eingeladen.

Zum Hintergrund:

In den Händen der Gestapo: Ella Berger und Adolf Kałwak

Drei Kommunen und ein Verlag bemühen sich um lebendige Geschichtsaufarbeitung. Dabei steht eine einmalige Begegnung bevor.

Der Name ist nicht nur in Wilmsdorf bekannt: Adolf Kałwak. Eine Straße im Bannewitzer Ortsteil Wilmsdorf und ein Denkmal im Rabenauer Teil des Poisenwaldes tragen seinen Namen. Warum, das erfährt man nirgendwo. Das soll sich nun ändern.

Dazu haben sich die Bürgermeister Thomas Paul (Rabenau), Heiko Wersig (Bannewitz) und Autor Matthias Schildbach aus Bannewitz in einer beispiellosen Absichtserklärung im September letzten Jahres zusammengefunden, das Gedenken um diese tragische Geschichte wiederzubeleben.

Adolf Kałwak, einer von 13 Millionen

Kałwak war einer von 13 Millionen Männern, Frauen und Kindern, die während des Zweiten Weltkrieges aus den besetzten Teilen Europas ins Deutsche Reich verschleppt worden waren, um Zwangsarbeit zu leisten. Er fand seit Mai 1940 auf dem von Ella Berger (Jg. 1903) geführten Hof wohlwollende, mitmenschliche und respektvolle Aufnahme.

Diese Nähe widersprach den Polen-Erlassen vom 8. März 1940, in denen auf der Grundlage der Rassenideologie jeglicher vertraute Umgang mit Polen verboten war. Und sie missfiel jemandem im Dorf: Ella Berger und Adolf Kałwak wurden nicht nur denunziert, ihnen wurde ein intimes Verhältnis unterstellt – und damit Ella Berger, deren Mann im Feld stand, auch Ehebruch. Zuständig für derartige „Delikte“ war die Geheime Staatspolizei.

Adolf Kałwak wurde nach viermonatiger Haft am 12. August 1941 von der Dresdner Gestapo nach Possendorf gebracht, vor den Augen der Possendorfer und Wilmsdorfer Einwohner vom Rittergut (heute Kirchplatz) über den Turnerweg und die heutige Adolf-Kalwac-Straße getrieben. Ziel dieser Hexenjagd war eine als Richtplatz vorbereitete Stelle im Poisenwald. Vor den Augen von über 200 Zwangsarbeiten, vornehmlich Polen, die eigens für diese schändlichen Mord mit Bussen herangeholt worden waren wurde er ohne Gerichtsverfahren, ohne Urteil im Alter von 22 Jahren gehenkt.

Ella Berger, deportiert, ermordet – und vergessen

Die Bäuerin Ella Berger wurde von der Gestapo zu einer „freundlichen Aussprache“ vorgeladen, von der sie nicht zurückkehrte. Im April 1941 ins Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert, verurteilte sie das Sondergericht Dresden im Juli 1941 zu einem Jahr Gefängnis. An Leib und Seele gebrochen soll sie nach Possendorf zurückgekehrt sein. Ihre Ehe war zwischenzeitlich zwangsgeschieden worden, die Vorwürfe offensichtlich konstruiert. Sie hatte alle Anrechte auf ihren elterlichen Hof verloren.

Auf dem Rittergut Possendorf fand sie Beschäftigung. Doch die Gestapo kam wieder: Am 10. Januar 1945 wurde sie wieder ins KZ Ravensbrück eingeliefert. Inzwischen hatte die SS das Lager zum Sterbe- und Vernichtungslager gemacht, es war völlig überfüllt, Seuchen grassierten. Auf grausamste Art wurde gemordet, Kranke dem Tod überlassen, kurz vor Kriegsende Todesmärsche auf den Weg gebracht. Ella Berger kehrte nicht mehr nach Possendorf zurück.

Im Gegensatz zu Adolf Kałwak, dem 1948 ein Denkmal im Poisenwald auf Obernaundorfer Flur gesetzt und eine Straße in Wilmsdorf nach ihm benannt wurde und – stilisiert zum Märtyrer und Antifaschisten – bis 1989 alljährlich Possendorfer Antifaschisten und Schüler der Zentralschule Possendorf am Denkmal seines Schicksals gedachten, legte sich um Ella Berger ein Mantel des Schwei­gens. Ihren Angehörigen wiederfuhr weder Anerkennung noch Hilfe, obwohl sie nach wie vor als verschollen galt und der Name des Denunzianten, der unweigerlich in der Nachbarschaft lebte, un­ent­tarnt war. Allein der anrüchige Vorwurf des Ehebruchs und des verbotenen Umgangs mit einem Ausländer passte in der DDR nicht zu einer Form der Würdigung oder Gedenkens. Niemand sprach jemals das Leid der einzigen Tochter Ella Bergers an, die im Ort lebte und ihre ganze Familie verloren hatte.

Denunzierung und Entwürdigung

Beiden, Adolf Kałwak und Ella Berger, wurden aus der Gesellschaft ausgegrenzt, ihnen das Menschsein abgesprochen und letztlich beide ermordet. Was beide in den Kellern der Gestapo erleben musste, was Kałwak am Strang wiederfuhr und Ella Berger im Konzentrationslager erleiden musste, bleibt unaussprechlich und im Dunkeln der Geschichte verborgen. Was mit Denunzierung aus niederen Motiven begann, nahm vernichtende Ausmaße ann. Diskriminierung wurde und wird den Menschen anerzogen, sie wurde und wird befördert durch Wegschauen und Schweigen. Die Initiatoren bezwecken, den Blick auf die Lehren dieser Geschichte zu lenken in einer Zeit, in der es keine Zeitzeugen mehr gibt.

Viele neue Erkenntnisse

Auf der Grundlage des Materials, das das Historische Archiv der Gemeinde Bannewitz verwahrt, erforsche ich seit einiger Zeit diese Geschichte. Viele neue Erkenntnisse konnten hinzugewonnen werden und reichern die Nacherzählbarkeit mit vielen Details an. Viele Archive wie das Staatsarchiv, das Dresdner Stadtarchiv oder das Arolsen Institut (Internationales Zentrum zur Erforschung der nationalsozialistischen Verfolgung) sind heute leichter zugängig, polnische Dokumente können mittels künstlicher Intelligenz ohne weiteres übersetzt werden. Recherchen fanden an den Schauplätzen statt: in der Gedenkstätte Ravensbrück und: in Kałwaks Heimatgemeinde Rudniki in Polen.

Erster Kontakt in Polen 

Noch heute leben Familienangehörige Kałwaks in seiner Heimatgemeinde, Nichten und Neffen und deren Kinder und Enkel. Eine erste Kontaktaufnahme kam im September letzten Jahres zustande. Ich wurde herzlich aufgenommen, ja war sogar der Auslöser für ein Familientreffen mit über 30 Gästen. Im Gemeindezentrum Rudnikis hielt ich einen Bildervortrag, stellte unser Vorhaben eines Gedenktages in meiner Heimat vor und übte mich in der polnischen Sprache, was sehr zum Amüsement beitrug.

Details

Datum:
8. August 2026
Zeit:
13:00 Uhr – 14:00 Uhr
Eintritt:
Kostenlos

Veranstaltungsort

Poisentalstr. 62
Poisentalstr. 60
Obernaundorf, Sachsen 01734 Germany
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