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Geschichtliche Entwicklung des Ortsteils Spechtritz

Luftaufnahme des Ortsteil SpechtritzWappen des Ortsteils SpechtritzSpechtritz, etwa um 1300 von fränkischen Siedlern als Waldhufendorf angelegt, zieht sich linksseitig aus dem tiefeingeschnittenen Tal der Roten Weißeritz von etwa 250 m ü. NN in einem kurzen aber stark ansteigenden Seitental bis auf eine Höhe von 360 m über NN hinauf. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1450, wo das Dörfchen "Speckhart" genannt wird, was man mit der Heimat der ersten Siedler, dem Spessart, in Verbindung bringt. Auch verweist die Nachsilbe "-hart" auf Wald, d. h. eine Waldsiedlung. Spechtritz gehörte ursprünglich wahrscheinlich zur Burgherrschaft Rabenau und damit zur Burggrafschaft Dohna. Im 15. Jahrhundert unterstand das Dorf Freiberger Herren, seit dem 16. Jahrhundert dem Amt Dippoldiswalde. Die Spechtritzer Bauern mussten bis zur Ablösung der Feudallasten im 19. Jahrhundert regelmäßig auf dem Rittergut Berreuth Frondienste leisten. In Spechtritz gab es in vergangenen Zeiten überwiegend Kleinbauern. Aus dem Jahre 1764 ist überliefert: "Spechtritz hat 9 ¾ Hufen… Es gibt 19 behufte Mann: 3 Mann je 1 Hufe, 1 Mann dreiviertel Hufe, 9 Mann einhalb Hufe, 6 Mann einviertel Hufe… 3 Häusler…", " Wappen: eine aufrecht stehende Himbeere oder Brombeere mit 2 Blättern, Umschrift in der oberen Hälfte SPECHTRIZ".
Zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation fertigten die Spechtritzer Bauern einst im Winter hölzerne Tische, Bänke und einfache Stühle sowie Gebrauchsgegenstände zum Verkauf an. Ursprünglich, bis zur Eingemeindung von Spechtritz in die Stadt Rabenau im Jahre 1973, gingen die Spechtritzer zur Schule und in die Kirche nach Seifersdorf. Zu Spechtritz gehörten auch zwei Mühlen an der Weißeritz. Die Spechtritzmühle, bereits 1562 erstmalig urkundlich erwähnt, war einst eine große Getreidemühle mit drei Mahlgängen, dazu gehörten in weiteren Gebäuden ein Sägewerk, zeitweise eine Ölmühle, ein Halbhufengut mit Ställen und Scheune, auch Teiche für eine umfangreiche Fischwirtschaft. Seit 1831 bestand eine Schankkonzession, die nach Einstellung des Mahlbetriebes um 1880 die Grundlage für die Gastronomie bildete, zeitweise in einem Umfang, der heute unvorstellbar ist. Scharen von Wanderern durch den Rabenauer Grund und Fahrgäste der 1882 errichteten Schmalspurbahn kehrten gern hier ein. Die Gaststätte wurde 1990 geschlossen. Später erfolgte der Abriss wegen Einsturzgefahr.
Etwa 300 m talaufwärts befand sich die Felsenmühle, die im Volksmund "Korkmühle" genannt wurde. Sie wurde um 1900 als Knochenmühle erbaut und kam nach mehreren Besitzerwechseln 1929 in den Besitz der "Vereinigten Korkindustrie". Seitdem wurde dort Kork gemahlen. Der Antransport erfolgte mit der Eisenbahn in Normalspurwaggons auf speziellen Rollböcken der Schmalspurbahn, ebenso der Abtransport. Hier arbeiteten einige Spechtritzer über viele Jahre. Im Jahre 1980 endete die Korkverarbeitung, kurzzeitig wurden noch Holzartikel hergestellt. Seit 1990 ruht der Betrieb. Nach starker Beschädigung der Gebäude zum Jahrhunderthochwasser im August 2002 wurden die Reste des Mühlengebäudes im Zuge des Wiederaufbaues der Weißeritztalbahn 2008 abgerissen.

Chronik von Spechtritz

    • 13./14. Jahrhundert
      Das dohnaische Rodungs- und Siedlungsgebiet, d.h. das Territorium der Burggrafschaft Dohna, reicht bis an die Wilde Weißeritz. Auf diesem Rodeland wird neben anderen Orten auch Spechtritz als Waldhufendorf angelegt.
    • 1450
      Spechtritz, das damals "Speckhart" genannte Dorf in der "Dippoldiswalder Pflege", untersteht Freiberger Herren und ist diesen zinsbar.
    • 1501
      Spechtritz untersteht der Herrschaft auf dem Vorwerk Berreuth mit Abgaben und Frondiensten bis in das neunzehnte Jahrhundert. Es werden sieben steuerpflichtige Spechtritzer namentlich erwähnt für eine Sondersteuer.
    • 1562
      Ersterwähnung der Spechtritzmühle als Getreidemühle mit drei Mahlgängen und Brettmühle (Sägewerk).
    • 1590
      Katastrophale Dürre mit nachfolgender Hungersnot. Rote Weißeritz ausgetrocknet, einmalig in der Geschichtsschreibung.
    • 1658
      Der Amtsschösser zu Dippoldiswalde dokumentiert über Spechtritz unter anderem "Erbgeschoß und Zinsen jährlich 3 Termine, 2 unbewohnte Häuser, 16 Hüfner, keine Gärtner, 1 Häusler, 16 Männer, 16 Waiber, 12 Kinder, 2 Gesinde, 16 Mannschaf".
    • 1756 - 1763
      Im Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Österreich ist die hiesige Gegend über mehrere Jahre Hauptkampfgebiet, zeitweise ist die Rote Weißeritz Frontlinie. Die Folgen davon sind für die Bevölkerung auch nach Jahren noch katastrophal.
    • 1839
      Erstmalig gemäss der sächsischen Verfassung von 1831 finden in Spechtritz Kommunalwahlen statt. Wahlberechtigt sind 24 männliche Grundstücksbesitzer.
    • 1841
      Die Spechtritzer schaffen endlich die Ablösung von den Feudallasten, d.h. sie kaufen sich mit staatlichen Krediten von ihrem Feudalherrn in Berreuth los.
    • 1880 - 1895
      Umfangreicher Straßenbau Bau der Straße mitten durch das Dorf (heute "Am Berg"), im unteren Verlauf am Hang entlang mit Felssprengungen und mit einer Steinbogenbrücke über die Rote Weißeritz.
    • 1882
      Die Eröffnung der Schmalspureisenbahnlinie begünstigt von nun an die wirtschaftliche Entwicklung in Spechtritz.
    • 1897
      Gewaltiges Hochwasser richtet enorme Schäden an Gebäuden, Brücken und Bahnanlagen an.
    • 1911
      Elektrifizierung in Spechtritz
    • 1914 - 1918
      I. Weltkrieg, 13 Spechtritzer Männer verlieren das Leben.
    • 1926 - 1930
      Bau der zentralen Wasserversorgung mit Anschluss an die Wasserleitung Paulshain - Rabenau.
    • 1939 - 1945
      II. Weltkrieg, 26 Männer aus Spechtritz finden den Tod. Nach dem Krieg große Not; der Ort ist mit Ausgebombten und Kriegsvertriebenen total übervölkert.
    • 1959
      Gründung der ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) in Spechtritz durch drei Bauern. 1960 treten unter großem politischen Druck alle übrigen bei.
    • 1973
      Eingemeindung nach Rabenau
    • 1990
      Neue politische Ordnung, Wiedervereinigung Deutschlands. In Spechtritz werden von nun an periodisch ein neuer Ortsvorsteher und zwei Ortschaftsräte gewählt.
    • 1996
      Spechtritz erhält über neugebaute Leitungen Trinkwasser aus der Talsperre Klingenberg, da das Wasser aus Paulshain stark schwermetallbelastet war.
    • 1997 / 1998
      Neubau der Straßenbrücke über die Rote Weißeritz.
    • 2002
      Die Jahrhundertflut der Roten Weißeritz überflutet die Bahnstation, die neue Brücke und das Gelände von Spechtritzmühle sowie Felsenmühle (Korkmühle) in einer Höhe von über einem Meter und richtet dabei schwere Schäden an. Der folgende Wiederaufbau geht zügig voran, nur nicht bei der Eisenbahn und bei den beiden Mühlen. Diese verfallen immer mehr.
    • 2005
      Die Spechtritzer Feuerwehr erhält moderne Technik.
    • 2006 / 2007
      Grundhafter Ausbau der Spechtritzer Dorfstraße ("Am Berg") mit Abwasserkanalsystem.
    • 2007 / 2008
      Abriss der Felsenmühle (Korkmühle) . Wiederaufbau der Schmalspureisenbahn (Weißeritztalbahn)
    • 2008
      Im Dezember Wiederaufnahme des regelmäßigen Fahrbetriebes der Weißeritztalbahn.
    • 2009
      Im März Abriss aller Gebäude der Spechtritzmühle wegen Einsturzgefahr, anschließend Renaturierung des Standortes.
    • 2010
      In Spechtritz sind fast alle Grundstücke mit eigenen modernsten vollbiologischen Abwasserkläranlagen ausgestattet und an den Abwasserkanal angeschlossen.